Single-Coaching
Der erste Anruf
Sie haben artig Mails ausgetauscht und wollen nun den nächsten Schritt tun, um die unbekannte Größe aus dem Netz besser kennen zu lernen? Ein Treffen scheint Ihnen verfrüht? Dann greifen Sie doch zum Telefon.
Katrin (32) und Kai (38) hatten schon einige Zeit Mailkontakt. Die Grafikerin amüsierte sich köstlich über die lustigen Geschichten, die ihr der Sales-Manager seit ein paar Wochen täglich schrieb. Als er vorschlug, man könne ja mal telefonieren, bekam Katrin zunächst kalte Füße und hätte Phase zwei des Kennenlernens gerne noch ein wenig hinausgezögert. Doch dann war es so weit, das Telefon klingelte. “Ich dachte, ich bringe vor Aufregung kein Wort heraus”, gesteht sie. Telefon- und Kommunikationstrainerin Claudia Fischer findet das nicht weiter schlimm: “Aufregung ist positiv, weil menschlich. Das macht Sie bei Ihrem Gegenüber eher noch sympathischer.” Also dürfen Sie ruhig Mut zur Lücke beweisen und zugeben, dass Sie aufgeregt sind. Das entspannt obendrein die Situation. Falls Sie keinen bestimmten Termin verabredet haben, ist es ratsam, zunächst nachzufragen, ob Sie den richtigen Zeitpunkt erwischt haben. Und worüber soll man reden? Es muss nicht gleich allzu sehr in die Tiefe gehen. Smalltalk über unverfängliche Themen wie Hobbys ist prima geeignet fürs erste Mal am Telefon. Scheuen Sie sich nicht, mit Klischees und Ihrer Aufregung ein bisschen herumzualbern.
Der heiße Draht
Aber wie kann ich nun am Telefon etwas über meinen Gesprächspartner herausfinden, zwischen den Zeilen des Gesagten lesen? “Verlassen Sie sich auf Ihre Intuition”, rät Claudia Fischer. “Ob Ihnen Ihr Gegenüber sympathisch ist, merken Sie an der Art und Weise des Sprechens und dem Klang und der Lautstärke seiner Stimme.” Die Stimme transportiert nämlich Informationen über Stimmung und Persönlichkeit eines Menschen. Sie signalisiert Sicherheit, Ehrlichkeit, Offenheit, Interesse, Motivation und Flexibilität – oder aber das Gegenteil von alldem. “Sie werden sogar hören, ob Ihr Gegenüber lächelt oder nicht.” Das alles findet die Kommunikationstrainerin anfangs wesentlich interessanter als den Inhalt des Gesprächs. Worüber Sie reden möchten, entscheiden Sie. “Vermeiden Sie Fragen, auf die man nur mit Ja oder Nein antworten kann. Durch offene Fragen erfahren Sie viel mehr über Ihren Gesprächspartner.” Und was sollen Sie am Telefon fragen? Ganz einfach all das, was Sie interessiert. Allerdings bitte nur dann, wenn Sie bereit sind, die Gegenfragen zu beantworten. Nicht so geschickt: den anderen mit einem langen Fragenkatalog ins Kreuzverhör zu nehmen. Lieber das Gespräch auf für Sie interessante Themen lenken und nachhaken, wenn der andere ins Erzählen gekommen ist.
Irgendwie, irgendwo, irgendwann
Peter (42) unterlief gleich am Anfang eine peinliche Panne: “Ich hatte mehrere Kontakte. Dummerweise habe ich eine Frau mit einer anderen verwechselt und sie gefragt, ob ihr Hund sich wieder erholt hätte. Dabei hatte sie eine Hundeallergie. Sie war ziemlich pikiert und legte einfach auf.” Seitdem macht Peter sich Notizen, bevor er zum Hörer greift. Auch das Wann und Wo sollte bedacht werden. Am besten telefoniert es sich in entspannter Atmosphäre. Margit (37) machte den Fehler, Thomas (40) zunächst die Nummer ihres Büros zu geben. Als er anrief, hingen die Kolleginnen der Moderedakteurin wie die Geier um ihren Schreibtisch. Also lieber zu Hause anrufen. Aber bloß nicht zu spät. Generell gilt: Nicht nach 21 Uhr. Und wie steht es mit Anrufbeantwortern? Claudia Fischer empfiehlt: “Sprechen Sie ruhig drauf. So zeigen Sie Ihr Interesse an dem Kontakt.” Übrigens: Wenn Sie als Frau keine Rufnummer hinterlassen wollen, achten Sie darauf, dass an Ihrem Telefon die Rufnummern-Übertragung unterdrückt ist.
Falsch verbunden
Bleiben Sie sich selbst treu und vermeiden Sie, zu viel von sich preiszugeben oder sich aushorchen zu lassen. Reagieren Sie souverän und machen Sie unmissverständlich klar, wenn Sie eine Frage unpassend oder verfrüht finden. Sie müssen beim ersten Telefonat noch nicht über alle Modalitäten Ihrer etwaigen gemeinsamen Zukunft entscheiden. Erst mal geht’s nur darum, sich zu beschnuppern, zu prüfen, ob Sie auf einer Wellenlänge liegen. Wenn Sie dabei merken, dass Sie den Menschen am anderen Ende der Leitung nicht treffen möchten, sollten Sie das sofort deutlich sagen. “Wenn Sie dabei lächeln”, so ein Tipp von Claudia Fischer, “wirken Sie selbst dann charmant, wenn Ihre Worte dem Kennenlernen gerade ein Ende setzen.” Wenn Ihr Gegenüber alle Signale ignoriert, sind auch kleine Ausreden erlaubt (“Huch, mir kocht da grad was über!” oder “Entschuldigung, ich muss jetzt los.”), um sich aus einem Gespräch loszueisen. Aber vermeiden Sie Floskeln wie “Wir telefonieren!”, wenn Sie es doch nicht tun werden. Verabschieden Sie sich lieber mit ein paar netten Worten und einer konkreten, ehrlichen Aussage dazu, wie es weitergehen soll.
annette.riestenpatt@parship.de
Tipps zum ersten Treffen finden Sie hier. Dass das erste Telefonat auch nicht überbewertet werden sollte, beweist die Geschichte von Heike und Frank.
Buch zum Thema: Claudia Fischer: Telefonpower. Gabal 2002, 15,90 EUR
