Stress lass nach: Fünf Tipps für entspanntes Arbeiten im Homeoffice

Gemütlich eine Stunde später aufstehen, in bequeme Klamotten schlüpfen und entspannt den Laptop aufklappen, anstatt schimpfend im Stau zu stehen … Auf den ersten Blick ist die Arbeit im Homeoffice das reinste Paradies. Kein Wunder also, dass sich immer mehr Menschen wünschen, zumindest zeitweise davon profitieren zu können. Inzwischen gibt es im Bundesarbeitsministerium sogar konkrete Pläne für ein Gesetz, das Arbeitnehmern das Recht auf Homeoffice einräumt. Laut einer Studie des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) haben aktuell rund 40 Prozent der Beschäftigten in Deutschland die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten.[1] Zumindest theoretisch. Ihren Wunsch nach flexibler Arbeit bekommen laut BMAS nämlich nur zwölf Prozent erfüllt. Ein krasser Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit! Ursache für diesen Bruch ist vor allem die Tatsache, dass die Entscheidung darüber, ob Arbeiten im Homeoffice möglich ist, in Deutschland beim Arbeitgeber liegt. Anders sieht es in den Niederlanden aus: Seit Juli 2015 haben Mitarbeiter hier einen gültigen Rechtsanspruch auf die Arbeit in den eigenen vier Wänden.

Es scheint als wäre das Homeoffice in Deutschland immer noch mit Vorurteilen belastet. Ich kann es nur nochmal deutlich sagen: Liebe Arbeitgeber, ein Tag im Homeoffice ist kein „bezahlter Urlaubstag“. Stattdessen ist es eine gute Möglichkeit, Mitarbeitern flexibleres und produktiveres Arbeiten zu ermöglichen. Gerade wenn es um eine umfangreiche und / oder herausfordernde Aufgabe geht, kann es hilfreich sein, weder von Fremdbestimmungen noch häufig quatschenden Kollegen abgelenkt zu werden. Die weiteren Vorteile liegen auf der Hand: Entspannter Start in den Tag, ein Umfeld, in dem man sich wohlfühlt, frisches Essen statt unterwegs gekauftes Convenience Food … Aus meiner Erfahrung lässt es sich in den eigenen vier Wänden deutlich störungsfreier, produktiver und effizienter arbeiten – selbstständiges, diszipliniertes Arbeiten und ein entsprechender Arbeitsplatz vorausgesetzt.

Mit den folgenden fünf Tipps gelingt die Arbeit daheim:

  1. Was sowohl Mitarbeiter wie Arbeitgeber oft und gerne übersehen: Auch im Homeoffice gilt das Arbeitszeitgesetz. Auch wenn das Arbeiten gut von der Hand geht, legen Sie Ruhepausen ein und verlassen Sie den Schreibtisch, statt schnell „nebenbei“ etwas zu essen. Gehen Sie in der Pause möglichst an die frische Luft. Denn schon ein kurzer Spaziergang kann Stress deutlich reduzieren, wie eine Studie der US-Universität Michigan zeigt.[2] Den Experten zufolge reichen bereits 20 Minuten, um das Level an Stresshormonen merklich zu senken. Am meisten reduzierte sich das Stresshormon, wenn die Teilnehmer etwa 20 bis 30 Minuten sitzend oder gehend im Grünen verbrachten.
  1. Die Grundvoraussetzung für produktives Arbeiten im Homeoffice ist idealerweise ein eigenes Arbeitszimmer mit Schreibtisch, ergonomischem Stuhl und PC oder Laptop/Dockingstation mit externem Monitor, Tastatur und Maus sowie für Telefonate ein Telefon mit Headset. Sie sollten sich wohlfühlen, genug Platz haben und in Ruhe arbeiten können.
  1. Homeoffice bedeutet Vertrauensarbeitszeit! Weder Ihnen noch Ihrem Vorgesetzten ist damit geholfen, wenn ständige Kontrollanrufe auf der Tagesordnung stehen. Konkrete Regelungen über die Arbeit im Homeoffice werden am besten vertraglich festgehalten, inklusive der gewünschten Dokumentation der geleisteten Arbeit.
  1. Einfach mal drauflosarbeiten? Sinnvoller ist es, wenn Sie sich am Tag vorher einen Überblick verschaffen, welche Tasks zu erledigen sind. Bündeln Sie zusammenhängende Aufgaben, planen Sie Telefonate und tragen Sie sie in Ihren Kalender ein – inklusive Zeit für Vor- und Nachbereitung. Planen Sie Pufferzeiten, so haben Sie die Möglichkeit, auf spontane Aufgaben zu reagieren oder einen Mehraufwand auszugleichen. Besonders wichtig: Kommunizieren Sie Ihre Homeoffice-Termine rechtzeitig und richten Sie feste „Anrufzeiten“ ein, zu denen Kollegen Sie erreichen können. Klären Sie, ob und in welchen Fällen Kollegen Ihre Mobilnummer oder die Nummer Ihres Festnetzanschlusses an Kunden herausgeben dürfen oder in welchen Fällen es besser ist, Gespräche auf Ihre Privatnummer umzuleiten bzw. Rückrufe anzubieten.
  1. Treffen Sie klare Absprachen: Mitbewohner, Partner oder Familienmitglieder haben zu akzeptieren, dass Sie keinen Urlaub haben, sondern arbeiten. Die Klarheit bzgl. der Arbeit gilt auch für Sie: Tätigkeiten wie nebenbei mal die Wäsche waschen, „rasch“ den Wocheneinkauf erledigen oder schnell ein Paket abholen sind tabu. Ein bisschen Geselligkeit in der Pause, wie zum Beispiel ein gemeinsamer Lunch oder Spaziergang mit den Liebsten lässt sich dagegen leicht einplanen.

Vermischung von Beruf und Privatleben

 Auch wenn die aktuelle Debatte anderes vermuten lässt: Es gibt auch genug Menschen, die dem mobilen Arbeiten gar nicht so viel abgewinnen können. Denn Homeoffice birgt auch immer die Gefahr, dass Freizeit und Arbeit miteinander vermischt werden – und so die Familie letztendlich zu kurz kommt. Das belegt unter anderem eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), auf die sich die WAZ bezieht.[3] Natürlich hat die Arbeit zu Hause klare Vorteile – die Vereinbarkeit von Beruf und Familie kann besser gelingen, man spart Zeit für Arbeitswege sowie evtl. Kosten für Hundesitter, das Zweitfahrzeug etc. und ist flexibler in der Gestaltung des Tagesablaufs.

Gleichzeitig es ist oft diese Freiheit, die für zusätzlichen Stress sorgen kann: So belegt die Studie, dass Arbeitnehmer, die mehrmals im Monat oder häufiger außerhalb des Unternehmens arbeiten, signifikant häufiger berufliche Aufgaben in der Zeit erledigen, die eigentlich als „privat“ eingestuft wird. Dazu gehören etwa das Beantworten von E-Mails am späten Abend, das Erledigen von Aufgaben am Wochenende – oder auch die ständige Erreichbarkeit via Diensthandy. Die Folge: Konflikte mit der Familie und häufig auch das Gefühl, weder dem Job noch dem Privatleben gerecht zu werden. Wie wichtig es ist, die Heimarbeit durch klare Regeln zu definieren und abzusichern, zeigt außerdem der DGB-Index „Gute Arbeit“, den die WAZ zitiert: 70 Prozent der Arbeitnehmer, die häufiger mobil arbeiten, gaben an, bei der Arbeit sehr häufig oder oft zu hetzen, 31 Prozent leisteten sehr häufig oder oft unbezahlte Arbeit, 44 Prozent mussten ständig erreichbar sein. Kein Wunder, dass es so zu einem Ungleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben kommt. Also, ob Sie nun im Homeoffice oder im Büro arbeiten: Vermeiden Sie Dauerstress und behalten Sie die Balance – unabhängig davon, wie sehr Sie Ihren Job, Ihre Kunden und Ihre Arbeit lieben.

Fotolia #201198183 – Girl student freelancer working at home on a task, the cat is sitting on the window – © olezzo

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[1] Haufe.de

[2] Spiegel.de

[3] Waz.de