Cyberslang – Fluch oder Segen?

Cyberslang – Fluch oder Segen?

65 Prozent aller Deutschen denken, die deutsche Sprache verkommt. So das Ergebnis einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach. Die Schuldigen sind schnell gefunden: Chat, SMS- und E-Mail-Kommunikation. Zugegeben: Wer von den über 20-jährigen würde schon die SMS „LuauKi?wasA vd“ verstehen? Dieser kryptische Satz heißt übersetzt: „Lust auf Kino? Warte auf schnelle Antwort. Vermisse dich.“ Ähnliche Beispiele gibt es viele.

Sprachverfall vs. Kreativität

Doch wo manche bereits den Sprachverfall wittern, beobachten andere ungeahnte Kreativität. Peter Schlobinski, Linguist an der Universität Hannover, sieht diese Entwicklung zum Beispiel durchaus positiv: „So wie man unterschiedliche Kleidung trägt, hat man auch die Möglichkeit, sich unterschiedlich mit Sprache auszudrücken.“ Es komme ganz darauf an, in welchem Kontext kommuniziert wird.

Fest steht: Die Länge einer SMS ist auf 160 Zeichen begrenzt. Die eines Twitter-Beitrags sogar auf 140. Die Schreiberlinge müssen hier schnell auf den Punkt kommen. Einige Berufsgruppen könnten vielleicht sogar noch etwas davon lernen: Im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung wurden im Jahr 2009  mehr als 800 Berliner Schüler im Alter zwischen 16 und 19 Jahren gefragt, wie sie die Sprache von Politikern wahrnehmen. Ergebnis: 60 Prozent ist die Sprache der Politiker  zu kompliziert und zu inhaltsleer. „Was labert der denn?“, fasst einer seinen Unmut zusammen und spricht damit jedem über 20-jährigem aus der Seele, der eine SMS mit „LuauKi?wasA vd“ erhält…