Gesundheitsrisiko Handy: Strahlung oder Stress?

Gesundheitsrisiko Handy: Strahlung oder Stress? Interessante Parallele: 2007 wurden erstmals über eine Milliarde Handys verkauft und es wurden im Lauf der Zeit keineswegs weniger. Gleichzeitig erkranken inzwischen 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung an Tinnitus. Laut einer Studie der Universität Wien leiden Handynutzer zu 37 Prozent häufiger am chronischen Ohrensausen (Psychologie heute, Ausgabe Mai 2011). Verglichen wurden 100 Tinnituspatienten mit 100 gesunden Testpersonen. Das Ergebnis ist fast schon erschreckend: Wer das Handy länger als zehn Minuten am Tag am Ohr hatte, kam auf eine Risikoerhöhung von 71 Prozent. Ab vier Jahren intensiven Handygebrauch verdoppelt sich sogar das Tinnitusrisiko. Liegt es am Stress? Bekanntlich wollen Viel-Mobiltelefonierer im Gegensatz zu den Gelegenheitsnutzern ständig erreichbar sein und stehen häufig unter Stress. Die nervliche Anspannung macht ggf. anfällig für das Wahrnehmen von Innenohrgeräuschen. Auch wird das Handy während des Zuhörens teils fest ans Ohr gedrückt, was möglicherweise die Durchblutung einschränkt. Psychologe und Umweltmediziner Michael Kundi, der die Wiener Studie durchführte, bevorzugt eine andere Erklärung: Die Mikrowellen, die das Handy abgibt, werden zumeist vom Innenohr und den Hörbahnen absorbiert, die folglich zu einer verstärkten Aktivität angeregt werden. Auch die Lärmbelastung spielt eine wesentliche Rolle. Handys werden immer öfter als MP3-Player eingesetzt und produzieren im Kopfhörer oft mehr als 100 Dezibel, was so laut ist wie ein vorbeifahrender Lastwagen. Auch leiden die Mitarbeiter von Call-Centern, wo der Lautstärkepegel der Headsets oft bis zum Anschlag aufgedreht wird, besonders oft an Ohrensausen. Mein Fazit für Sie: Es ist zu überlegen, ob und wie oft wir uns der ständigen Erreichbarkeit am Handy aussetzen und welche Möglichkeiten es gibt, Stress und Handydruck am Ohr zu reduzieren. Ich selbst telefoniere mit dem Handy fast ausschließlich per "Knopf im Ohr" (ein kleiner, der sich selber anpasst) und lasse, wenn ich in Terminen, im Urlaub oder in der Freizeit bin, auch situativ bewusst der Mailbox den Vorrang.