Wie viele Wörter braucht der Mensch?

Wie viele Worte gibt es eigentlich? Die Antwort darauf ist komplex und unterschiedliche Quellen geben unterschiedliche Antworten. Exakte Angaben über den Umfang des deutschen Wortschatzes sind laut Duden deshalb unmöglich, weil ständig Wörter neu gebildet und aus anderen Sprachen entlehnt werden. Dabei kommt es darauf an, ob man „nur“ die Wortfamilien zählt, also Begriffe, die denselben Wortstamm haben wie z.B. Fahrer, fahren, Fahrt etc. oder ob man diese als eigenständig betrachtet. Außerdem stellt sich die Frage, ob Fremdwörter, Jargons oder Dialekte eingeschlossen werden sollen. Schließlich haben sich die Experten darauf geeinigt, die Wortfamilien zu betrachten.

Der Rechtschreibduden enthält demnach rund 135 000 Stichwörter, das »Deutsche Wörterbuch« (1852–1971) von Jacob und Wilhelm Grimm etwa 450.000, von denen aber zahlreiche veraltet sind. Im Allgemeinen schätzt man den Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache auf zwischen 300 000 und 500 000 Wörter (Grundformen).

Zum Vergleich: Das „Oxford Dictionary of English“, das versucht, den gesamten Wortschatz der englischen Sprache in ihrer historischen Tiefe und ihren regionalen Varianten zu beschreiben, weist derzeit etwa 620 000 Stichwörter auf. Der für die französische Sprache maßgebliche „Grand Robert“ umfasst lediglich gut 100 000 Stichwörter.

Dabei verwendet der Durchschnittsmensch – egal wo auch immer auf der Welt – bei weiten weniger Wörter in seiner Alltagssprache. Der aktive Wortschatz eines deutschen Durchschnittssprechers wird heute auf 12 000 bis 16 000 Wörter (davon etwa 3 500 Fremdwörter) geschätzt. Ohne Schwierigkeiten verstanden werden mindestens 50 000 Wörter. Ein englischer Muttersprachler mit Universitätsabschluss verwendet hingegen durchschnittlich 17 500 Wortfamilien. Im Spanischen ist die Zahl ein wenig niedriger, da die Sprache weniger Wörter als das Englische umfasst.

Der polyglotte Sprachwissenschaftler Prof. Alexander Arguelles hat untersucht, wie viele Wörter ein Mensch im Alltag wirklich braucht:

  • 250 Wörter bilden den inneren Kern einer Sprache, ohne den man keine Sätze bilden kann.
  • 750 Wörter machen die tägliche Sprache aus, werden also täglich in der Alltagskommunikation verwendet.
  • 2 500 Wörter befähigen den Menschen, alles auszudrücken, was er sagen möchte, wenn auch mit komischen Umschreibungen. Ein Muttersprachler würde die Dinge häufig anders ausdrücken.
  • 5 000 Wörter entsprechen dem aktiven Vokabular eines ungebildeten Muttersprachlers. Böse Zungen behaupten übrigens, dass die Bildzeitung mit einem Wortschatz von rund 4 800 Wörtern auskommt. Nachweislich ist die BILD-Zeitung die Zeitung mit dem geringsten Wortschatz. Diesen Titel erlangte sie unter anderem durch besonders mannigfaltige Anwendung des Verbs „tun“ z.B. „Forscher tut Atome in Tee…“
  • 10 000 Wörter bilden den aktiven Wortschatz eines Muttersprachlers mit einem höheren Bildungsabschluss
  • 20 000 Wörter umfasst der passive Wortschatz, den es benötigt, um Bücher von angesehenen Autoren zu lesen und komplett zu verstehen.

Stellt sich natürlich die Frage, ob es hilft, im stillen Kämmerlein jeden Tag 100 Vokabeln zu pauken, um in etwa einem dreiviertel Jahr jedem Muttersprachler Konkurrenz zu machen? Nein, denn zwischen dem passiven Wissen und dem aktiven Gebrauch liegen Welten und Sprache ist viel mehr als das bloße Aneinanderreihen verschiedener Wörter. Die Wissenschaft hat festgestellt, dass die meisten Menschen bis zum Alter von etwa zwölf Jahren beliebige Sprachen leicht lernen und sprechen können, sich jedoch nur in ein einer Sprache wirklich „zuhause“ fühlen. Danach wird es schwieriger, sich eine weitere Sprache anzueignen. Jedoch kann mit viel Übung ein muttersprachliches Niveau erreicht werden.

Was die Sprache beim Telefonieren betrifft, so gilt auch hier, sich möglichst klar und deutlich auszudrücken und verständlich Inhalte und Emotionen zu vermitteln. Achten Sie dabei darauf, die Informationen in möglichst kleinen Häppchen zu servieren. Beispielsweise werden Radiomoderatoren angehalten, Sätze mit max. zwölf Worten zu bilden. Alles andere wirkt verwirrend und oft zu verschachtelt.

Achten Sie auch darauf, wie Ihr Gesprächspartner spricht: Verwendet er beispielsweise häufig Fremdwörter? Dann können Sie Ihre Sprechweise anpassen. Wenn er oder sie eher eine einfache Sprache nutzt, vermeiden Sie komplexen Satzbau und Fachjargon. Denn das kann zum einen überheblich wirken und dazu führen, dass der Gesprächspartner Sie nur teilweise versteht.